Nach Luther –  Lesen | Denken | Predigen


Wie viele Sätze Martin Luthers zeichnen das Lutherbild der Evangelischen Kirche auf dem Weg ins Jahr 2017? An den gängigen Zitaten gemessen, können es nicht viele sein. Ob die Kritiker des kirchlichen Lutherbildes deshalb dieser, „seiner“ Kirche zu Recht vorwerfen, dass ihr Lutherbild nicht nur die Kenntnisse der säkularen Fachwissenschaften ignoriert, sondern ideologische Züge trägt, sei dahin gestellt.

„Ich kann nicht anders“ kann man der Häufigkeit nach allenthalben als reformatorischen Grundton vermuten. Als Motto für die Arbeit an Predigtzusammenhängen in Theorie und Praxis ist diese lutherische Apokryphe nicht empfehlenswert.

Eine Empfehlung, den gängigen Lutherklischees zu entkommen, gibt der Philosoph und Philosophiehistoriker Kurt Flasch: „…Luther einmal nicht als den Entdecker einer zeitlosen christlichen Wahrheit, sondern als Rezipienten der spätmittelalterlichen Schulwissenschaft und als Zeitgenossen Machiavellis und Pomponazzis zu sehen. Luthers Texte sind Dokumente der Zeit um 1520. Sie erhalten ihr historisches Profil“, wenn wir sie vergleichend mit Schriften seiner Zeitgenossen lesen.

Übers Jahr 2016 hat das Zentrum für evangelische Predigtkultur in einer Reihe von Veranstaltungen diesen Gedanken aufgenommen und erweitert. In Wittenberg wurden Auszüge aus Luthers Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" gelesen und kommentiert, in Eisleben Luther und Pomponazzi verglichen, in Mühlhausen Luther und Machiavelli, in Eisenach Luther und Erasmus, in Weimar Luther und Morus. In Berlin (Zehlendorf) fand ein Werkstatt-Tag zu Martin Luther, Ignatius von Loyola und Johannes Calvin statt. Theorie und Praxis der Predigt dieser drei Reformatoren bildeten den Schwerpunkt der Beiträge aus verschiedenen Perspektiven.
 

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