Szenario

Auf dieser Seite werden Gottesdienste in ihrem szenischen Ablauf dokumentiert. Sie finden einmal im Jahr statt und tragen den programmatischen Untertitel „Liturgisch-szenische Einrichtung“. Der Untertitel ist in Anlehnung an den Ausdruck „szenische Einrichtung“ gebildet, wie man ihn in der Arbeit am Theater z.B. für die Vorbereitung von Texten für Lesungen verwendet.

Drei Merkmale kennzeichnen die dokumentierten Arbeiten:
Ein Chor agiert nicht nur musikalisch in Form eines Konzertes, bei dem die Sängerinnen und Sänger an einem mehr oder weniger exponierten Platz stehen und etwas vorsingen, sondern der Chor agiert im Raum, szenisch.
Im gottesdienstlichen Zusammenhang agieren die Sängerinnen und Sänger liturgisch, sie übernehmen also nicht nur singend, sondern handelnd liturgische Funktionen, die üblicherweise nur von Einzelpersonen ausgeführt werden. Sie gestalten so den räumlichen Ablauf eines Gottesdienstes als Bewegung einer Gruppe. Ihr Charakteristikum ist Mehrstimmigkeit. Neben den musikalischen Proben wird in die liturgische Vorbereitung die Arbeitsform szenischer Proben eingeführt. Deren Ergebnis ist dann allerdings keine Vorführung, sondern eine Feier.

Musikalische Leitung: Sarah Herzer
Liturgisch-szenische Einrichtung: Dietrich Sagert



Eintrag vom
Extra: Exsultet chorisch
Der Lobgesang des Osterlichtes gehört traditionell in die Osternacht. Das Exsultet in den Zusammenhang einer liturgisch-szenischen Einrichtung zu bringen, bedeutet, ein altes liturgisches Stück szenisch zu öffnen für Mehrstimmigkeit. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, diesen Text, der für heutige Ohren befremdlich bis in die religionsgeschichtlichen Tiefen der griechischen Tragödie hinabreicht (Jan Kott), im Vollzug zu demokratisieren.

Dazu braucht es zwei Dimensionen. Die erste besteht darin, den Gesang auf mehrere SängerInnen zu verteilen. Hierzu werden die responsif angelegten Teile als solche ernst genommen und realisiert. Die zweite verteilt die auf diese Weise entstehenden zwei Solisten, eine Schola und die Gemeinde den jeweiligen architektonisch-liturgischen Gegebenheiten entsprechend räumlich auf und dies möglichst auf eine Weise, die die Gemeinde mithineinnimmt.
 
Nicht realisiert
Siehe auch Blog I Dietrich Sagert, Eintrag vom 25.11.2019
 
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Szenario
Eintrag vom
Hugo Distler, Stiftungsworte Op. 3
In seiner Zeit als Lübecker Kantor hat der Komponist Hugo Distler (1908-1942) „Eine deutsche Choralmesse für sechsstimmigen gemischten Chor a cappella“ komponiert (Op. 3). Hört man dieses Werk, hat man den Eindruck, es sei eigentlich nicht für eine konzertante Aufführung, sondern für den gottesdienstlichen Vollzug gedacht. Nur wurde dieser nie realisiert.

In der Wittenberger Schlosskirche wurde zusammen mit der Schola Cantorum Adam Rener ein liturgisch-szenischer Gottesdienst erarbeitet. Dabei wird das liturgische Geschehen zum großen Teil vom Chor übernommen. Im Zentrum steht die Einsetzung des Abendmahles (die Stiftungsworte), bei der eine singende Pastorin mit dem Chor gemeinsam agiert.

Schola Cantorum Adam Rener
Liturgin: Susanne Fischer
Orgel: Thomas Herzer
21. November 2021, 17.00 Uhr
Schlosskirche Wittenberg
 
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