Franz Fühmann, Meine Bibel; Erfahrungen

Der Schriftsteller Franz Fühmann (1922-1984) veröffentlichte 1982 in der DDR einen Essay mit dem Titel „Meine Bibel; Erfahrungen“. Darin beschreibt er seine Lektüren der Bibel. Ausgehend von der Vertrautheit mütterlichen Vorlesens in seiner Kindheit, über eine lange Zeit der Entfremdung bis hin zur Wiederentdeckung der Bibel als „Zug der Gestalten“ während des Zweiten Weltkrieges, als sich Fühmann – entgegen seiner Erwartung – eine Bibel wünschte.
Einem Rat des Augustinus folgend wünscht Fühmann den Leserinnen und Lesern „unvoreingenommen“ in die Welt der Bibel einzutreten, „in menschlicher Haltung, mit menschlicher Würde und der Bereitschaft, aufzunehmen“, denn dann könne es einem zuteilwerden, „mit dem Buch zu wachsen“.

Lesung: Dietrich Sagert
Aufnahme: Bernhard Voss, Voss Tonwerkstatt, Berlin
Mit freundlicher Genehmigung des Hinstorff Verlages, Rostock

Biographie Franz Fühmann

Franz Fühmann wurde am 15 Januar 1922 in Rochlitz an der Iser (Rokytnice nad jizzerov) im böhmischen Riesengebirge geboren. Er starb am 8. Juli 1984 in (Ost-) Berlin und wurde in Märkisch- Buchholz begraben. Bereits mit fünf Jahren lernte er lesen und schreiben und wurde ein vielseitiger Autor.

Nach einer vom Nationalsozialismus geprägten Jugend trat er 1941 in die Wehrmacht ein und war als Nachrichtensoldat in der Sowjetunion und Griechenland im Einsatz. Er gab keinen Schuss ab. 1945 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, die er in einem kaukasischen Lager und einer Antifa-Schule nahe Moskau verbrachte. 1949 wurde er in die DDR entlassen.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war Fühmann bis in die 1960er Jahre vor allem kulturpolitische tätig. In schonungsloser Selbstanklage arbeitete er sich an seinem Thema der „Wandlung vom Faschisten zu Nichtfaschisten“ ab. Mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in Prag zur Niederschlagung des Prager Frühlings im Sommer 1968 verdeutlichten sich die politischen Entfremdungen mit dem System der DDR; Fühmann gehörte 1976 zu den Erstunterzeichnern des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR.

Anfang der fünfziger Jahre begann Fühmann auf Bitten seiner Tochter auch Kinderbücher zu schreiben. Besonders bekannt wurden seine Nachdichtungen klassischer Stoffe, Märchen und Sagen (Nibelungen, Prometheus, Odyssee u.a.). Immer wieder setzte er Veröffentlichung von in der DDR nicht erscheinenden Dichtern und Autoren (Georg Trakl, Siegmund Freud) durch und förderte beharrlich junge unangepasste Autoren (Wolfgang Hilbig, Uwe Kolbe).

Anlässlich des Lutherjubiläums 1983 in der DDR verfasste Fühmann für den Kommentarband der bei Reclam erschienenen Ausgabe der Lutherbibel seinen Essay: Meine Bibel; Erfahrungen. Er griff damit ein Anfang der 70er Jahre geplantes Projekt wieder auf, die wichtigsten biblischen Geschichten für junge Leute nach zu erzählen. Dies Projekt konnte er nicht mehr verwirklichen. Pläne finden sich im Nachlass.

Das Werk Franz Fühmanns erscheint im Hinstorff Verlag Rostock.


Wenn Sie mögen, lesen Sie unter 'Blog I Dietrich Sagert' auf dieser Homepage die Einträge vom 13. 08. 2020, vom 11. 09. 2020, vom 7. 10. 2020 und vom 04. 11. 2020.
 

Hörbuch Cover

Meine Bibel - Teil 1
Meine Bibel - Teil 2
Meine Bibel - Teil 3
Meine Bibel - Teil 4
Meine Bibel - Teil 5