Szenario

Auf dieser Seite werden Gottesdienste in ihrem szenischen Ablauf dokumentiert. Sie finden einmal im Jahr statt und tragen den programmatischen Untertitel „Liturgisch-szenische Einrichtung“. Der Untertitel ist in Anlehnung an den Ausdruck „szenische Einrichtung“ gebildet, wie man ihn in der Arbeit am Theater z.B. für die Vorbereitung von Texten für Lesungen verwendet.

Drei Merkmale kennzeichnen die dokumentierten Arbeiten:
Ein Chor agiert nicht nur musikalisch in Form eines Konzertes, bei dem die Sängerinnen und Sänger an einem mehr oder weniger exponierten Platz stehen und etwas vorsingen, sondern der Chor agiert im Raum, szenisch.
Im gottesdienstlichen Zusammenhang agieren die Sängerinnen und Sänger liturgisch, sie übernehmen also nicht nur singend, sondern handelnd liturgische Funktionen, die üblicherweise nur von Einzelpersonen ausgeführt werden. Sie gestalten so den räumlichen Ablauf eines Gottesdienstes als Bewegung einer Gruppe. Ihr Charakteristikum ist Mehrstimmigkeit. Neben den musikalischen Proben wird in die liturgische Vorbereitung die Arbeitsform szenischer Proben eingeführt. Deren Ergebnis ist dann allerdings keine Vorführung, sondern eine Feier.

Musikalische Leitung: Sarah Herzer
Liturgisch-szenische Einrichtung: Dietrich Sagert



Eintrag vom
Hugo Distler, Stiftungsworte Op. 3
Zu Beginn des Gottesdienstes sitzen die Sängerinnen und Sänger der Schola Cantorum Adam Rener im Kirchenschiff der Wittenberger Schlosskirche diskret in der versammelten Gemeinde verteilt.
Der Gottesdienst beginnt mit dem Orgelvorspiel, der Choralbearbeitung „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Johann Sebastian Bach.
Anschließend geht die Liturgin vom Chorgestühl zu Altar und begrüßt die Gemeinde mit Votum und Tagesgebet. Anschließend sprechen Chor und Gemeinde den vorgeschlagenen Psalm 126 im Wechsel. Die Liturgin setzt sich wieder ins Chorgestühl.
Die Gemeinde singt das die ersten beiden Strophen des Gemeindeliedes „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (EG 147). Sie steht dazu auf. Während der zweiten Strophe gehen die Sängerinnen und Sänger von Ihre Plätzen aus nach vorne und stellen sich auf der Höhe zwischen der Kanzel und dem Lesepult in versetzten Reihen zur Gemeinde blickend auf.




Nach dem Lied sprechen sie gemeinsam chorisch die Lesung, das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen aus dem Matthäusevangelium (25, 1 – 13).
Direkt im Anschluss an die Lesung singt der Chor die dritte Strophe des begonnenen Gemeindeliedes im Choralsatz von Johann Sebastian Bach Liedes "Gloria, sei dir gesungen“. Anschließend setzt sich die Gemeinde. Der Chor nimmt im Chorgestühl rechts und links im Altarraum Platz.




Als homiletischer Hör-Impuls wird aus dem szenischen Off ein Ausschnitt aus der Predigt Q 12 von Meister Eckhart gelesen.
Im Anschluss wird im Stehen die ersten beiden Strophen des Gemeindeliedes „Als Jesus Christus, unser Herr“ (Text: Sebald Heyden) zur Melodie von „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ (EG 76) gesungen.
Während der zweiten Strophe geht die Liturgin zum Altar. Die Choristen folgen ihr und stehen links und rechts zu ihrer Seite in abständiger, leicht versetzter Doppelreihe (wie zur Lesung, nur in offenem Halbkreis).
Die Liturgin spricht das Gebet zur Präfation zum Altar gewandt. Gemeinsam mit Chor und Gemeinde spricht sie das Vaterunser.
Mit der Patene dreht sie sich zur Gemeinde und beginnt die Stiftungsworte von Hugo Distler mit den Einsetzungsworten, die vom Chor mit dem Choral „Als Jesus Christus, unser Herr“ begleitet werden, zu singen.
Nach dem Brotwort dreht sie sich um, stellt die Patene auf dem Altar ab, dreht sich mit dem Kelch wieder zurück und fährt fort.
Nach dem von der Liturgin gesprochenen Wort: „Kommt, denn es ist alles bereit“, gehen drei Paare aus dem Chor zur Austeilung an drei Stationen in der Kirche (Altarraum, Mitte und Hinten) und teilen die Gaben mit den Spendeworten aus.




Während das Austeilung spielt die Orgel und die Choristen kehren an ihre Plätze in der Gemeinde zurück. Es folgen Dankgebet und Segen von der Liturgin am Altar.
Den Gottesdienst beschließt die erste Strophe des Abendliedes „Christe, du bist der helle Tag“ (EG 469). Es wird im Stehen gesungen. Während des Liedes geht die Liturgin zurück ins Chorgestühl.
Das Ausgangstück der Orgel ist die Partita über „Christe, du bist der helle Tag“ (Op. 8, Nr. 7) von Hugo Distler mit den Sätzen: I Choral, II Bicinium, III Pastorale. Hierzu setzt sich die Gemeinde.