Szenario

Auf dieser Seite werden Gottesdienste in ihrem szenischen Ablauf dokumentiert. Sie finden einmal im Jahr statt und tragen den programmatischen Untertitel „Liturgisch-szenische Einrichtung“. Der Untertitel ist in Anlehnung an den Ausdruck „szenische Einrichtung“ gebildet, wie man ihn in der Arbeit am Theater z.B. für die Vorbereitung von Texten für Lesungen verwendet.

Drei Merkmale kennzeichnen die dokumentierten Arbeiten:
Ein Chor agiert nicht nur musikalisch in Form eines Konzertes, bei dem die Sängerinnen und Sänger an einem mehr oder weniger exponierten Platz stehen und etwas vorsingen, sondern der Chor agiert im Raum, szenisch.
Im gottesdienstlichen Zusammenhang agieren die Sängerinnen und Sänger liturgisch, sie übernehmen also nicht nur singend, sondern handelnd liturgische Funktionen, die üblicherweise nur von Einzelpersonen ausgeführt werden. Sie gestalten so den räumlichen Ablauf eines Gottesdienstes als Bewegung einer Gruppe. Ihr Charakteristikum ist Mehrstimmigkeit. Neben den musikalischen Proben wird in die liturgische Vorbereitung die Arbeitsform szenischer Proben eingeführt. Deren Ergebnis ist dann allerdings keine Vorführung, sondern eine Feier.

Musikalische Leitung: Sarah Herzer
Liturgisch-szenische Einrichtung: Dietrich Sagert



Eintrag vom
Erik Satie: Messe des Pauvres
Der Spieltisch der Chororgel steht zwischen Kanzel und Lesepult. Mit etwas Abstand vor der Orgel steht ein Altartisch mit vorbereitetem Abendmahlsgerät. Zu Beginn des Gottesdienstes stehen die Sängerinnen und Sänger des Chores unter der Orgelempore im Rücken der Gemeinde und singen die erste und zweite Strophe des Liedes „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ im Satz von Johann Sebastian Bach (BWV 140).
Grundriss 1
Anschließend spricht die Liturgin der Gemeinde zugewandt hinter dem Altartisch stehend im Wechsel mit der Gemeinde den Eingang der Vesper (EG) und begrüßt die Anwesenden.
Die Gemeinde singt das Lied „Bleib bei uns Herr“ (EG 488). Während des Liedes gehen die Sängerinnen und Sänger auf den Seitengängen nach vorn und nehmen rechts und links neben dem Altartisch Aufstellung in versetzt schräger Position zum Hochaltar blickend. Die Männerstimmen auf der zum Altar blickend linken Seite, die Frauen auf der entsprechend rechten Seite. Die Organistin besetzt die kleine Orgel und leitet von dort aus den Chor.
Grundriss 2
Begleitet von beiden Orgeln wird das Kyrie (Nr. 1) und das Dixit Dominus (Nr.2, Ps. 110) aus der Messe des Pauvres von Erik Satie (1866-1925) gesungen.
Während das von der Liturgin im Chor stehend gesprochenen Tagesgebet und daran anschließenden dem Prière des Orgues (Gebet der Orgeln) aus der Messe des Pauvres (Nr. 3) bleibt der Chor betend in dieser Position.
Anschließend stellt sich die Liturgin zur Lesung hinter den Altartisch und der Chor dreht sich zur Gemeinde. Die Lesung (Mt 25,1-13) wird von der Lektorin ohne Mikrophon Vers für Vers gelesen und vom Chor verstärkend gemeinsam gesprochen wiederholt.
In dieser Position wird mit der Gemeinde gemeinsam das Glaubensbekenntnis gesprochen.
Während des folgenden Gemeindeliedes „Herr, du wollest uns bereiten“ (EG 220) geht der Chor über die Seiten rechts und links ab und setzt sich verteilt unter die Gemeinde. Auch die Organistin verlässt die Chororgel.
Grundriss 3
Die Liturgin beginnt hinter dem Altartisch stehend mit der Abendmahlsliturgie. Die Gemeinde erhebt sich. Nach dem Präfationsgebet und dem mit der Gemeinde zusammen gesungenen Sanctus folgt das Vaterunser. Die Einsetzungsworte werden vom in der Gemeinde stehenden Chor und den ggf. einstimmenden Gemeindegliedern mitgesprochen.
Die Austeilung erfolgt als Wandelabendmahl vom Mittelgang aus rechts und links vom Altartisch und auf den Seiten zurück. Während der Austeilung erklingt das Andante aus den Trois Mouvements pour Flute und Piano von Jehan Alain (1911-1940) und die Gymnopédie Nr. 1 von Erik Satie auf der großen Orgel.
Die Gemeinde erhebt sich zum anschließenden Dank- und Fürbittengebet. Es wird das Lied „Im Frieden dein, o Herre mein“ (EG 222) gesungen. Während des Liedes versammelt sich der Chor unter der Empore.
Grundriss 4
Liturgin, Gemeinde und Chor sprechen gemeinsam den Segen.
Zum Abschluss erklingt das „Gloria sei dir gesungen“ aus „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 140) vom Chor gesungen.